Mischkultur – weisst du welche Pflanzen gut miteinander wachsen?

Die Gartensaison steht schon vor der Tür und du bist bestimmt schon am Planen was dieses Jahr wo in deinem Garten wachsen soll. Wir haben uns deshalb gedacht, dass ein Artikel über Mischkulturen gut passt, so dass du vielleicht den einen oder anderen Tipp in deine Planung einfliessen lassen kannst. Mischkulturen bieten nämlich verschieden Vorteile, wie du gleich sehen wirst.
Wenn verschieden Kulturpflanzen nebeneinander gepflanzt weden, bezeichnet man das als Pflanzengemeinschaft oder Mischkultur (Englisch “companion planting” bzw. auch “intercropping”). Jede Kulturpflanze hat ihre eigenen Qualitäten und Ansprüche. Durch eine Mischkultur können diese Eigenschaften kombiniert werden, so dass zusätzliche Vorteile entstehen. Wie zum Beispiel:

  • Schädlingsschutz
  • Verbesserung der Bodenqualität
  • Maximieren der Flächennutzung
  • Erhöhung der Ernte

Das Pflanzen von unterschiedlichen Kulturpflanzen nebeneinander kann sowohl im heimischen Garten wie auch in der professionellen Landwirtschaft betrieben werden. Zu diesem Thema gibt es viele Bücher, die beschreiben welche Pflanzen gut miteinander gedeihen. Viele dieser Informationen gehen auf Traditionen oder Beobachtungen zurück, es gibt aber auch Erkenntnisse die aus wissenschaftlichen Studien stammen. In diesem Artikel möchte ich Mischkulturen und deren Vorteile vor allem aus wissenschaftlicher Sicht betrachten und dir praktische Infos liefern, die du gleich im eigenen Garten anwenden kannst.

Obwohl verschiedene Kulturpflanzen unterschiedliche Eigenschaften haben, sind sie doch alles Pflanzen, die die gleichen grundlegenden Bedürfnisse haben. Sie alle brauchen nämlich Licht, Wasser und Nährstoffe. Pflanzen konkurrieren deshalb auch miteinander um diese Ressourcen. Darüber hinaus gibt es aber Mischkulturen die Vorteile mit sich bringen.
Schutz vor Schädlingen
Bezüglich Schutz vor Schädlingen ist das wohl am besten erforschte Beispiel die Tagetes (Tagetes spp.) und ihre Wirkung auf Nematoden. Nematoden sind kleine Rundwürmer die im Boden leben und Pflanzen schädigen können. Sie ernähren sich von einer Bandbreite an Pflanzen, was es schwierig macht sie wieder loszuwerden. Da kommt die Tagetes gerade richtig, sie kann nämlich einige Nematodenarten hemmen, indem sie Toxine produziert und Stoffe freisetzt, welche natürliche Feinde der Nematoden anziehen [1]. Solltest du also ein Problem mit Nematoden in deinem Garten haben, könntest du es mal versuchen Tagetes zu pflanzen.

Neben den Nematoden gibt es viele Pflanzenschädlinge aus den Reihen der Insekten. Die Pflanzenfamilie der Brassicaceae, zu welcher viele Gemüse wie Kohl, Blumenkohl oder Rosenkohl gehören, sind besonders anfällig gegenüber bestimmten Schädlingen. Glücklicherweise gibt es eine Reihe anderer Pflanzen, welche das Schädlingsbefall für Kohlgewächse senken können, wenn sie in der Nähe wachsen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat beispielsweise gezeigt, dass Knoblauch (allium sativum) und Zwiebeln (allium cepa) das Vorkommen von Schädlingen im Kohl reduzieren und gleichzeitig die Kohlernte erhöhen [2]. Eine weitere Studie hat herausgefunden, dass Zwiebeln, Knoblauch und Koriander die Senfpflanze vor Schädlingen schützen kann, so dass der Befall geringer ist als bei einer reinen Senfpflanzung [3]. Für Blumenkohl hat Koriander ebenfalls eine Schutzwirkung, da er Nützlinge anzieht, welche auf Schädlinge losgehen. Dadurch kann auch die Blumenkohlernte erhöht werden [4]. Bei dieser Studie wurden ebenfalls Pflanzungen in Linien und Quadraten verglichen. Es stellte sich heraus, dass die Anordnung in Quadraten einen besseren Schutz bietet. Der Schutz von Schädlingen in Pflanzengemeinschaften beschränkt sich aber nicht nur auf Kohlgewächse, so bieten Zwiebeln auch für Blattsalat eine Schutzwirkung vor bestimmten Raupen [5].

Mischkultur mit Blumenkohl und Koriander. a) gepflanzt in Linien; b) gepflanzt in Quadraten (siehe Referenz 4)

Ein weitere Gefahrenquelle für Kulturpflanzen sind Krankheiten die durch Bakterien oder Pilze ausgelöst werden. Diese greifen entweder über den Boden oder den Luftweg an. Eine solche Krankheit die durch den Pilz Verticillium verursacht ein Welken in einer ganzen Reihe von Kulturpflanze, unter anderem Tomaten, Kartoffeln und Auberginen. Forscher haben aber herausgefunden, dass eine Pflanzengemeinschaft mit einer Zwiebelart Tomaten einen Schutz bietet, so dass das Auftreten und die Symptome von Verticillium  geringer sind als bei einer Tomatenreinsaat [6]. Diese Wirkung scheint auf eine stärkere Aktivierung von Abwehr-Genen in den Tomaten zurückzugehen.

Produktivität

Eine sehr traditionelle Form von einer Pflanzengemeinschaft ist das milpa System, auch genannt die drei Schwestern. Dabei werden jeweils Mais, Bohnen und Kürbisse zusammen gepflanzt. Die Maisstängel dienen den Bohnen als Kletterhilfe und die Kürbisblätter beschatten den Boden, was das Aufkommen von Unkräutern reduziert und den Boden vor Verdunstung schützt. Die Bohnen als Leguminosen haben auch die Fähigkeit mit stickstofffixierenden Bakterien zusammen zu arbeiten und können so den Luftstickstoff für ihr Wachstum nutzen. So kommen zusätzliche Nährstoffe in die Pflanzengemeinschaft. Ein Teil von diesem fixierten Stickstoff kann, mit der Hilfe von Mykorrhizapilzen, in die Maispflanzen transferiert werden. Die Drei-Schwestern Pflanzengemeinschaft kann zu einer “Überernte” (englisch: “overyielding”) führen, was bedeutet, dass die Gemeinschaft mehr Ertrag erbringt als mit Reinsaat zu erreichen wäre auf einer bestimmten Fläche [7].

In der Futterproduktion sind Mischsaaten ebenfalls verbreitet. Für Gras-Klee Mischungen wurde gezeigt, dass mit einem Kleeanteil zwischen 40-60% sich maximale Ernten ergeben [8]. Beim Ringen um den Bodenstickstoff hat Klee gegenüber dem Gras eher das nachsehen, so dass er nicht viel davon abkriegt. Dies animiert ihn deshalb verstärkt auf die kooperation mit Stickstofffixierenden Bakterien zu setzen und bewirkt so einen Stickstoffeintrag aus der Luft. So erstaunt es auch nicht,  dass in solchen Mischsaaten mit Gerste und Leguminosen auch der Effekt der “Überernte” festgestellt wurde [9]. Ein weitere Vorteil der Mischsaaten war der 20-40% reduzierte Krankheitsbefall gegenüber Reinsaaten.

Abgesehen von Leguminosen und Grasspflanzen für die Tierernährung, kannst du auch in deinem Garten die Produktivität erhöhen, indem du Pflanzen mit unterschiedlicher Reifezeit auswählst. Du könntest beispielsweise Reihen mit Salat und dazwischen Reihen mit Karotten pflanzen. Die Karotte ist zu Beginn sehr aufrecht und wirft nicht viel Schatten auf ungewünschte Nebenpflanzen. Der breitblättrige und schnellwachsende Salat hingegen vermag Unkräuter zu unterdrücken. Der Salat ist früher reif als die Karotten und kann geerntet werden, dann kriegen die dann üppigeren Karotten mehr Platz.

Wie du siehst, haben Pflanzengemeinschaften und Mischkulturen viele Vorteile. Dadurch können sie zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und nachhaltigem Gärtnern beitragen. Oftmals sind die verwendeten Sorten der Kulturpflanzen (Kultivare) aber darauf optimiert möglichst gut in Reinsaat zu wachsen, und trotzdem finden sich auch mit ihnen positive Wechselwirkungen. Künftig könnten auch Sorten die für einen Mischanbau bzw. eine Pflanzengemeinschaft entwickelt werden, was die Günstigen Auswirkungen vielleicht sogar noch verbessern kann.

 

Hier nochmal ein kleiner Überblick der im Text erwähnten Beispiele von Pflanzenkombinationen:

  • Tagetes gegen Nematoden
  • Kohl – Knoblauch/Zwiebel
  • Senf – Knoblauch/Zwiebel/Koriander
  • Blumenkohl – Koriander
  • Blattsalat – Zwiebel
  • Tomate – Zwiebel
  • Mais – Bohnen – Kürbis
  • Gräser – Leguminosen
  • Blattsalat – Karotten

Hast du bereits selber Erfahrungen mit Pflanzengemeinschaften gemacht? Dann schreib uns davon einen Kommentar gleich hier unten! 🙂

 

Freudiges Gärtnern!

Christoph

 

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Referenzen

[1] Hooks, C. R., Wang, K. H., Ploeg, A., & McSorley, R. (2010). Using marigold (Tagetes spp.) as a cover crop to protect crops from plant-parasitic nematodes. Applied Soil Ecology, 46(3), 307-320.
[2] Debra, K. R., & Misheck, D. (2014). Onion (Allium cepa) and garlic (Allium sativum) as pest control intercrops in cabbage based intercrop systems in Zimbabwe. IOSR Journal of Agriculture and Veterinary Science, 7(2), 13-7.
[3] Afrin, S., Latif, A., Banu, N. M. A., Kabir, M. M. M., Haque, S. S., Ahmed, M. E., … & Ali, M. P. (2017). Intercropping Empower Reduces Insect Pests and Increases Biodiversity in Agro-Ecosystem. Agricultural Sciences, 8(10), 1120.
[4] Mahendran, B., Sharma, R. K., & Sinha, S. R. (2018). Strategies for Insect Management in Cauliflower (Brassica oleraceae var. botrytis) Through Habitat Intervention. Proceedings of the National Academy of Sciences, India Section B: Biological Sciences, 88(1), 305-311.
[5] Sulvai, F., Chaúque, B. J. M., & Macuvele, D. L. P. (2016). Intercropping of lettuce and onion controls caterpillar thread, Agrotis ípsilon major insect pest of lettuce. Chemical and Biological Technologies in Agriculture, 3(1), 28.
[6] Fu, X., Wu, X., Zhou, X., Liu, S., Shen, Y., & Wu, F. (2015). Companion cropping with potato onion enhances the disease resistance of tomato against Verticillium dahliae. Frontiers in plant science, 6, 726.
[7] Gliessman, S. R. (2014). Agroecology: the ecology of sustainable food systems. CRC press.
[8] Nyfeler, D., Huguenin-Elie, O., Suter, M., Frossard, E., & Lüscher, A. (2011). Grass–legume mixtures can yield more nitrogen than legume pure stands due to mutual stimulation of nitrogen uptake from symbiotic and non-symbiotic sources. Agriculture, ecosystems & environment, 140(1-2), 155-163.
[9] Hauggaard-Nielsen, H., Jørnsgaard, B., Kinane, J., & Jensen, E. S. (2008). Grain legume–cereal intercropping: The practical application of diversity, competition and facilitation in arable and organic cropping systems. Renewable Agriculture and Food Systems, 23(1), 3-12.

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